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Erfolge der Homöopathie - nur ein Placebo-Effekt?

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Die Frage ist: Welche Art von Beweis gilt als ausreichend, Unglaubliches zu glauben? Grundsätzlich ist derjenige beweispflichtig, der etwas behauptet. Und je ungewöhnlicher die Behauptung ist, desto strengere Maßstäbe sind an ihre Begründung anzulegen. Wenn jemand sagt, in seinem Garten stehe eine Ziege, kann man das glauben. Wenn er aber sagt, es sei ein Einhorn, dann könnte selbst ein Foto davon nicht überzeugen. Seine Echtheit muß mit objektiven Methoden geprüft werden, denn man darf selbst den eigenen Augen nicht trauen (46-48). Man muß prüfen, ob hier nicht einfach einem Pferd ein Plastikhorn an die Stirn geklebt oder ein echtes Horn transplantiert wurde. Überzeugender wäre es, wenn auch die Nachkommen Einhörner wären. Und selbst dann: Könnte es nicht ein genmanipuliertes Pferd sein, das nichts mit dem sagenumwobenen Einhorn zu tun hat?

Der Gesetzgeber hat Hochpotenzen generell erlaubt, nach dem Motto: "So starke Verdünnungen können nicht schaden". Sie müssen lediglich unter der Rubrik "besondere Therapierichtungen" registriert werden. Als Vorbedingung dafür genügt ein Bericht über "positive ärztlich-therapeutische Erfahrung". Das ist so ähnlich wie wenn es zwei Sorten von TÜVs gäbe: einen für fahrende und einen für nichtfahrende Autos. Der Vorteil der letzteren ist zweifellos, daß es weniger Unfälle gibt. Entsprechend selten kommt es bei der Verschreibung von Hochpotenzen zu negativen Nebenwirkungen. Eine große Gefahr ist aber, daß bei ernsten Erkrankungen die Therapie oft fahrlässig verzögert wird. Immer wieder mußten Patienten sterben, weil sie eine lebensrettende konventionelle Behandlung versäumten (31-33).

Hahnemann wußte nichts von der Existenz von Bakterien, Viren, Molekülen, Atomen, nichts von der Loschmidt`schen Zahl und von der Placebo-Forschung, obwohl auch er bewußt mit Placebos arbeitete ("Unarzneiliches" oder Milchzucker; Organon §96 in Hochstetters Ausgabe 6B). Und schon er mußte sich damit auseinandersetzen, daß eine homöopathische Heilung eher die Ausnahme ist als die Regel. Wer das nicht glaubt, weil er immer nur von Heilungen gehört hat, sollte sich klarmachen, daß fast immer nur die Erfolge weitererzählt werden. Tote Patienten reden nicht, und man spricht auch selten von ihnen.

Manchem Außenseitermediziner, der neben kritischem Denken über genügend schauspielerisches Talent verfügt, hat ein einfacher Selbsttest die Augen geöffnet. Egal, ob man als Homöopath "falsche" Potenzen verschreibt, als Irisdiagnostiker bewußt den "Iris-Schlüssel" verfälscht, indem man ihn bei der Analyse z.B. um 90° verdreht, ob man als Astrologe falsche Geburtsdaten verwendet, ob man als Hand- oder Tarotkarten-Leser das Gegenteil von dem sagt, was in den "Lehrbüchern" steht: Die Erfolgsrate bleibt erstaunlicherweise ungefähr gleich.

Der Begriff "psychische Behandlung" spiegelt übrigens eine Ungenauigkeit unserer Alltagssprache wider, die zu Mißverständnissen führt. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, daß ein Mensch psychisch, etwa durch Geisteskräfte, beeinflußt werden kann. Auch der Psychotherapeut kann einen Mensch nicht beeinflussen, ohne ihn dabei zugleich auch physisch zu verändern, sei es durch die Schallwellen seiner Worte oder durch Körpersprache. Die so vermittelte Information löst Veränderungen im Gehirn des Patienten aus, die letztlich zu meßbaren körperlichen Folgeerscheinungen der "psychischen" Beeinflussung führen. Sich dessen bewußt zu sein, trägt dazu bei, die Psychotherapie zu entmystifizieren, eine höchst wirksame Methode, die auch von Außenseitermedizinern erfolgreich genutzt wird: vom "Übertragung von Kraft und Energie" bis zum Auflegen der Hand.

 

  
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von Turi Heiler
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