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Erfolge der Homöopathie - nur ein Placebo-Effekt?

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Wo Aussagen der Homöopathie zutreffen

Zur Zeit Hahnemanns verschrieb die wissenschaftliche Medizin oft unwirksame, ja sogar giftige Substanzen, sogenannte Drastika. Paracelsus verwendete z.B. Bleiacetat oder Quecksilberchlorid, und viele Patienten starben daran. Demgegenüber hatte Hahnemann durchaus gewisse, wenn auch keineswegs überwältigende Erfolge. Durch den Verzicht auf schädliche Drastika war die Homöopathie damals wohl die bessere Alternative.

Hat Hahnemann also recht? Oberflächlich betrachtet laßen sich Analogien zur Simile-Regel finden (27). Man kann die körpereigenen Abwehrsysteme, von denen Hahnemann nichts ahnte, manchmal durch daßelbe Mittel, das eine Krankheit auslöst, dazu anregen, diese zu besiegen. Diese wenigen Fälle aber sind seltene Ausnahmen. Genau betrachtet hat nämlich z.B. das Prinzip der Impfung mit Homöopathie nichts zu tun, denn man kann damit eine Krankheit nicht behandeln: Impfen muß man, bevor sie ausbricht. Auch die "gleichsinnige" Behandlung eines Durchfalls mit Rhizinusöl, die den Organismus beim Ausscheiden von Schadstoffen unterstützen soll, entspricht formal der Simile-Regel, ohne diese damit zu einem Naturgesetz ("Ähnliches heilt Ähnliches") zu erheben.

Beispiele, die bei oberflächlicher Betrachtung der Simile-Regel zu folgen scheinen:

  • manche Schutzimpfungen (Stimulation der Infektionsabwehr: Antikörperbildung durch lebende oder inaktivierte Erreger)
  • Hyposensibilisierung von Allergikern
  • Aktivierung chronischer Gelenkentzündungen durch Mittel, die lokal entzündlich wirken
  • Reduzierung der schädlichen Wirkung von Tetrachlorkohlenstoff auf die Leber durch Vorbehandlung mit kleinen Dosen (40). Ähnliche Gewöhnungseffekte treten auf bei Barbituraten, Benzo-Diazepinen und Alkohol
  • Toxische Schwermetalle sollen die Bildung von schwermetallbindenden Proteinen induzieren. So würde der Organismus unempfindlicher gegen eine erneute Belastung (27,40). Das könnte die vorbeugende Wirksamkeit einiger Homöopathika gegenüber Vergiftungen erklären
  • Manche Arzneien lösen in hoher Dosis tatsächlich Symptome aus, die denen der Krankheiten ähneln, die mit diesen Arzneimitten behandelt werden, so etwa Carbamacepin, das man gegen epileptische Anfälle verwendet Auch für das Phänomen der "Arzneipotenzierung" gibt es gewisse Belege (27). Diese "Wirkungsumkehr", daß verdünnte Arzneimittel besser wirken als konzentrierte, gilt in gewissen Grenzen für das bereits erwähnte
  • Carbamacepin, das in kleinen Dosen krampfhemmend wirkt - allerdings unabhängig davon, ob es "potenziert" oder nur verdünnt wird! - in hoher, toxischer Dosis aber Krämpfe auslöst, für das
  • Narkotikum Ketamin, das in hohen toxischen Dosen den Patienten nicht mehr in Narkose hält, weil unterschiedliche Rezeptoren verschieden empfindlich reagieren, und für den
  • Morphin-Antagonisten Naloxon, der in niedriger Konzentration präsynaptische Opiat-Rezeptoren blockiert und damit Endorphine freisetzt, in hoher Konzentration aber postsynaptische Opiatrezeptoren blockiert, also die Wirkung endogener oder exogener Opiate aufhebt.

Gelegentlich wirken also niedrige Dosen besser als hohe. Das heißt aber nichts anderes, als daß Medikamente, die man in der richtigen Dosis einsetzt, besser helfen als wenn man zu viel davon nimmt.

Und wie wirken die etwa 12000 handelsüblichen Homöopathika, die in Deutschland ohne jegliche Kontrolle vertrieben werden? Sind sie konzentiert genug, gibt es immer Wirkungen. Alle Fremdstrukturen in Konzentrationen, die das körpereigene Abwehrsystem als unphysiologisch erkennt, führen zu einer zunächst unspezifischen Aktivierung zellulärer Komponenten des Immunsystems (4,22,27,28), im Einklang mit der Lehre Hahnemanns, die sich als Reiztherapie versteht. Aber: Auch die Injektion einer harmlosen Kochsalzlösung führt zu einer unspezifischen Aktivierung des Immunsystems (4)! Bei einer Reihe von Erkrankungen gibt es hohe Erfolgsraten: bei Heuschnupfen 65-85%, bei weiblicher Unfruchtbarkeit soll die Erfolg vergleichbar sein wie bei wissenschaftsmedizinischer Behandlung.

 

  
Sonnenschmidt, R: Leber und Galle - erworbene Autorität
Siehe auch:
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