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Placebos wirken auch bei Kleinkindern und Tieren Bei Kleinkindern und Tieren gebe es keinen Placebo-Effekt geben, also sei in diesen Fällen der Behandlungserfolg direkt abzulesen? Weit gefehlt! Selbstverständlich gibt es Placebo-Effekte in Form von Suggestion auch bei Kindern. Jeder Kinderarzt weiß, daß man die Mutter in die Behandlung einbeziehen muß: Sie ist Hauptempfänger der psychosozialen Botschaft und gibt sie als ihre Erwartungshaltung unbewußt an das Kind weiter. Placebo-Effekte wies man in Doppelblindversuchen auch bei Haustieren nach. Diese können die Körpersprache vertrauter Bezugspersonen lesen. Erleben sie deren Vertrauensverhältnis zu dem ihnen unbekannten Therapeuten, so reagieren sie konditioniert im Sinn einer Placebowirkung. Wird das Placebo-Präparat auch noch mit liebevoller Hinwendung verabreicht, hat die Heilung gute Chancen. (26,27). Zusätzlich führt die Erwartungshaltung des behandelnden Arztes bei diesem selbst zu "selektiver Wahrnehmung": Er neigt dazu, Heilerfolge zu diagnostizieren, die er unbewußt zu finden erwartet. Wie stark wirken Placebos? Krebspatienten, die unter Schmerzen litten, bekamen entweder das bewährte Schmerzmittel Naproxen oder ein Placebo. Wußten sie nicht, daß sie das echte Schmerzmittel geschluckt hatten, so wirkte dieses schwächer als ein Placebo, das sie als vermeintliches Schmerzmittel eingenommen hatten (3,5)! Von 40-60% von 3848 Patienten, bei denen keine eindeutige Diagnose möglich war, erhielten 43%, zufällig ausgewählt, Placebos. 82% von ihnen fühlten sich dadurch nach eigenen Angaben gebessert (43). Der Versuch war aber noch aufschlußreicher. Die Patienten wurden nämlich randomisiert, ohne ihr Wissen, in vier vergleichbare Gruppen unterteilt. Zwei Gruppen erhielten eine "positive Konsultation": Der Arzt verschwieg, daß er die Ursache ihrer Beschwerden nicht erkannt hatte und versicherte stattdessen emphatisch, bei ihnen werde alles in Ordnung kommen und sie würden sich bald besser fühlen. Die eine Untergruppe bekam "zur Unterstützung der Heilung" ein Placebo-Medikament, die andere nicht. Die beiden anderen Gruppen erhielten eine "negative Konsultation": Der Arzt sagte wahrheitsgemäß, er sich über die Ursache der Beschwerden nicht im klaren. Wiederum erhielt eine Untergruppe ein Placebo-Medikament mit der Bemerkung, daß es ihnen vielleicht helfen werde, und die andere Gruppe bekam nichts. Die Heilungsrate betrug nach positiver Konsultation 64% und nach negativer 39%, unabhängig davon, ob Placebo-Medikamente gegeben wurden, oder nicht! Keine Behandlung vorzunehmen, war also ebenso erfolgreich wie die Verschreibung eines Placebo-Medikaments, unabhängig davon, ob die Konsultation positiv oder negativ war. Die Diagnose "keine Behandlung nötig" wird also vom Patienten ohne Nachteile akzeptiert!
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