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Die Wunderdroge der außenseiter-Medizin ist also gar nicht das Placebo-Medikament selbst. Es steht allein in der Macht des Therapeuten, seine Patienten sich besser fühlen zu lassen. Es genügt ein Arztbesuch ohne jede Behandlung. Der "Wirkstoff" des Placebos ist also der Heiler selbst! Leider glauben die meisten Ärzte, daß über 80% ihrer Patienten die Verschreibung eines Medikaments erwarten. In Wirklichkeit sind es nur knapp die Hälfte sind (43-52%). Nur wenige Ärzte wissen, daß Patienten oft keine Behandlung brauchen außer dem Kontakt mit ihnen. Und so nutzen sie Placebos zu wenig aus, weil sie sie irrtümlich mit Scharlatanerie assoziieren. Dabei sind die objektiv meßbaren Behandlungserfolge erstaunlich: bei Kopfschmerzen 62%, bei Seekrankheit 58%, bei rheumatischen Erkrankungen 49%, bei Erkältungskrankheiten 45% (16,29). Ein Beispiel macht klar, daß nicht alles, was hilft, auch wirkt. Ein Kind ist hingefallen und weint. Die Mutter holt eine Dose mit, wie sie sagt, "schmerzlindernden Leckerli" und zieht das Kind zu sich auf den Schoß. Ein Stückchen Schokolade auf die schmerzende Stelle gelegt, mit der Zuage, das Kind könne es haben, sobald der Schmerz vorüber seien, wirkt Wunder. Will man die Wirkung von echten Arzneien mit der von Homöopathika vergleichen, so ist es unerläßlich, zusätzlich eine Placebo-Gruppe einzuplanen. Drösemeier (8) fand keinen Unterschied zwischen Homöopathikum und Placebo und ebensowenig zwischen Arznei und Placebo. Ohne Placebogruppe wäre also das Homöopathikum als ebenso wirksam erschienen wie die echte Arznei! Tatsächlich waren aber in diesem speziellen Fall homöopathische und wissenschaftsmedizinische Behandlung gleich wirkungslos. Das Argument, Homöopathie sei "ein Gebiet, wo man mit streng wissenschaftlicher Methodik nicht vorgehen könne", ist falsch. Der Erfolg jeder Therapie läßt sich objektiv statistisch prüfen, aber nur in Doppelblind-Experimenten, bei denen der Placebo-Effekt quasi "herausgekürzt" wird. Im Idealfall sollte selbst der Therapeut nicht wissen, daß er einen Test durchführt, was in der Praxis schwer realisierbar ist. Da Menschen allein aufgrund des unspezifischen Placebo-Effekts gesunden können, muß man mindestens, zufallsverteilt, zwei gleichartige Patientengruppen bilden: Die eine erhält die zu prüfende Behandlung, die Kontrollgruppe eine Scheinbehandlung oder ein Placebo-Präparat. Damit beide Gruppen ansonsten völlig gleich behandelt werden, dürfen weder die Patienten noch die Therapeuten wissen, wer die echte Arznei und wer das Placebo erhält. Damit ist der Placebo-Effekt in beiden Gruppen gleich, und Unterschiede zwischen ihnen müssen dann allein auf die Behandlung zurückgehen. Noch unverfälschtere Ergebnisse liefern "überkreuzte" Doppelblindstudien, bei denen nach einer vorher festgelegten, genügend langen Behandlungszeit Placebo und Arznei gegeneinander ausgetauscht und die Behandlung fortgeführt wird. Formal sauber sind eigentlich nur Untersuchungen, bei denen auch die Forderung der Homöopathen erfüllt ist, jeden Patienten individuell zu therapieren. Schließlich muß alles unter kontrollierten Versuchsbedingungen geschehen, um betrügerische Manipulationen auszuschließen (35,39).
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